Vaterland

06. Oktober // Di. // 20:15 // Kinosaal // Kino

Pawel Pawlikowski. D/PL/IT/F 2026. 82 Min. Mit Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl, Devid Striesow, Joachim Meyerhoff, Milan Peschel.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begeben sich Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter, die Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin Erika (Sandra Hüller), auf eine Reise durch ein Deutschland in Trümmern – von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar. Zum Goethe-Jubiläum wünscht man sich auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze Worte des Trostes, der Zustimmung und der Vergebung vom größten aller Erzähler. Während er seine Stationen abreist, erreicht ihn die Nachricht vom Selbstmord seines Sohnes Klaus.

Regisseur und Drehbuchautor Pawel Pawlikowski nimmt sich ein paar dichterische Freiheiten, um die historischen Ereignisse zu verdichten und ihre Aufeinanderbezogenheit zu pointieren: Klaus nahm sich im Mai 1949 das Leben, Thomas Manns Reisen nach Frankfurt am Main und nach Weimar fanden im Juli und August desselben Jahres statt. In der Filmhandlung überschneiden sich diese Ereignisse, womit sich das dramatische Potential erheblich erhöht: Wie reagiert der Vater auf die schreckliche Nachricht? Wird er seine Reise absagen?

Doch die Nachricht vom Tod des Sohnes ist nur eine von vielen Bedrängungen, die auf den Schriftsteller und seine Tochter einprasseln. Denn das ist das zentrale Thema dieses ergreifenden Films: Thomas Mann, der weltweit gefeierte Autor, sieht sich in der Situation, gewissermaßen auf jede Anforderung eine angemessene Reaktion parat zu haben. Und es sind nicht nur Fragen nach seinem Deutsch-Sein und der Haltung, die er zu der jüngsten Vergangenheit hat, sondern auch Bitten, sich für alle möglichen Projekte zu verwenden. Dabei steht ein ums andere Mal sein Ruf und seine künftiges Ansehen auf dem Spiel – denn hier, in den beiden Teilen Deutschlands, die sich soeben anschicken, sich neu zu gründen, hat alles eines politische und mehr noch: menschlich-zivilisatorische Dimension. Soll er also die Schirmherrschaft der DDR-Schrifttumkammer übernehmen? Soll er sich für die Reinwaschung der Wagner-Festspiele von dem schwerlastenden Nazi-Erbe einsetzen? Kann er sich für die Befreiung politischer Gefangener stark machen? Und wo bleibt der Raum für die Trauer um seinen Sohn?

VATERLAND verblüfft durch die thematische Breite, die tieftraurige Schönheit der Bilder und grandiose Darstellerinnen und Darsteller.

Mo.05.10.Di.06.10.Mi.07.10.Do.08.10.Fr.09.10.Sa.10.10.So.11.10.
17:45
20:1520:00
€ 7 / € 6, € 65 / € 55, € 4, € 7,
Aufschlag ggf. bei Überlänge, Begleitung mit Livemusik und Sonderveranstaltungen